Myu's Traumwelt



Toll, dass du den Weg durch das weite Web zu mir gefunden hast.
Ich bin Myu und schreibe für mein Leben gerne Geschichten.
Hier kannst du meine gesammelten Werke der letzten Jahre lesen.
es werden noch die ein oder anderen Texte mit sicherheit dazu kommen.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.

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Kira-Celina.Piczo

Nachdem ich am Gymnasium mein Abitur gemacht hatte, studierte ich aufs Lehramt und übernahm auch schon bald meine erste Klasse an der neuen Grundschule.
Es war wirklich eine liebe Klasse, die kaum Probleme machte. Ein Sorgenkind gab es dennoch: Timmy.
Er war nicht aggressiv, Nein, im Gegenteil: Er war so still, dass man sich fragte, ob daheim etwas nicht mit rechten Dingen zuginge. Ich versuchte erhäuft ihn dazu zu ermuntern, in den Pausen mit seinen Klassenkameraden oder anderen Kindern zu spielen, aber selbst als andere Kinder kamen und ihn dazu aufforderten mit ihm zu spielen, lehnte er ab und sah weiter aus dem Fenster.
Dadurch, dass ich es einfach nicht zu schaffen schien, an ihn heran zu kommen, fühlte ich mich furchtbar hilflos. Falls es wirklich Probleme gab war ich nicht imstande ihm zu helfen.
Als mir endlich mal die Idee kam bei seinen Eltern anzurufen, kam ich mir ziemlich dumm vor, denn auf diese hätte ich auch schon vorher kommen können.
Als die große Pause begann und die Schüler den Raum verließen um auf den Hof zu gehen, ging ich ins Sekretariat und suchte die Nummer der Eltern Timmys heraus. Schnell hatte ich auch jemanden erreicht, denn bereits nach dem ersten Klingeln hob jemand ab.
„Ja? Hallo?“
„Guten Morgen, Frau Winter, mein Name. Spreche ich mit der Mutter von Timmy Gärtner?“, fragte ich.
„Ja, das bin ich. Was gibt es denn? Macht der Junge etwa Ärger?“, fragte eine freundliche Frauenstimme. „Nein, das nicht beruhigte ich die Frau. „Ich rufe an, weil ich mir sorgen um den Jungen mache.“ – „Inwiefern machen Sie sich sorgen um ihn?“
„Ihr Sohn spricht wenig bis gar nicht und mit den Klassenkameraden mag er auch nicht spielen. Er sitzt nur da und schaut aus dem Fenster, wenn ich versuche mit ihm ins Gespräch zu kommen blockt er mich völlig ab. Ich rufe an, weil ich mir mit Ihnen vielleicht eine Lösung finden zu können verspreche“, erklärte ich Frau Gärtner. Sie eine kurze Weile schwieg ehe sie antwortete.
„Ich verstehe, was Sie meinen, Frau Winter, aber ich denke nicht, dass Sie viel verändern oder gar verbessern können. Auch ich kann das nicht.“
„Was meinen Sie damit?“, fragte ich verdutzt.
„Wissen Sie, ich habe mich gerade erst von meinem Mann scheiden lassen, worunter Timmy sehr leidet. Ich kann ihm sein Leid nicht nehmen, obwohl ich gern würde…“, erläuterte sie mit trauriger Stimme.
Nach einem weitern Moment des Schweigens ergriff ich das Wort: „Ich werde mal versuchen an ihn heranzukommen. Aber versprechen kann ich leider nichts.“
„Jaja, versuchen Sie nur. Aber ich würde mir nicht allzu viele Hoffnungen machen.“ Ich überhörte den pessimistischen Unterton in der Stimme und verabschiedete mich.
Noch zehn Minuten, dachte ich, dann war die große Pause vorüber.
Der Tag nahm seinen Lauf. Schon nach der fünften Stunde war für meine Klasse die Schule zu Ende. Alle gingen. Außer Timmy.
Er musste noch seine Bücher einpacken. Doch plötzlich hielt er inne. Während ich die Tafel putzte, kam er von hinten auf mich zu und fragte: „Stimmt es was Mareike gesagt hat?“
„Es kommt darauf an, was Mareike gesagt hat“, antwortete ich verwundert.
„Sie sagt, Sie hätten schon mal Krebs gehabt.“
„Ähm… Ja… Die Frage kommt jetzt ziemlich plötzlich für mich, aber ja, es stimmt, was sie gesagt hat. Ich bin mit einem sehr aggressiven Gehirntumor auf die Welt gekommen.“ Ich hielt inne, weil ein kleines Aufblitzen in seinem Blick zu vernehmen war. „Wieso fragst du?“ Er reagierte nicht. „Kann man ihn weg machen?“, fragte er ohne auf meine Frage zu antworten.
„Und wie macht man das?“, fragte er aufgeregt, nachdem er mein Nicken registriert hatte.
„Er wird wegoperiert“, antwortete ich knapp „aber ich möchte gerne wissen warum du mich das fragst, kennst du jemanden, der Krebs hat?“ Er schaute betreten zu Boden.
Besorgt hockte ich mich zu ihm runter. Er weinte.
„Ich – ich …“, schluchzte er. „Ganz ruhig, erzähl, was ist los?“, fragte ich ihn leise und in einem beruhigenden Ton. Er atmete tief durch und plötzlich sprudelte es aus ihm, wie aus einem Wasserfall: „Ich habe Krebs. Da drin.“ Er deutete auf seinen Bauch. „Ich habe Angst, dass ich sterben muss. Ich habe Mama und den Doktor belauscht als sie darüber gesprochen haben. Der Doktor hat gesagt, dass er mir nicht helfen kann. Aber er lügt!“ Er schluchzte weiter.
„Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich hatte Glück, weil mein Krebs schon früh erkannt wurde. Aber ich hatte noch Jahre später mit den Folgen der Operation zu kämpfen. Ich konnte teilweise jahrelang nicht zur Schule gehen und das hat sich verheerend auf meine Noten ausgewirkt. Darum musste ich die fünfte Klasse wiederholen und konnte später nicht mal mehr zur Schule gehen und bekam einen Privatlehrer.
Ich lag sogar eine Zeit lang in einer Psychiatrie, aber das hat mir so sehr geholfen, dass ich wieder ganz normal ohne Schmerzen den Unterricht in der Schule besuchen konnte.
Aber selbst wenn es stimmt, dass der Arzt dich nicht operieren kann, darfst du dein Leben nicht einfach wegwerfen, Timmy, du bist noch jung.“
„Aber wieso hat Mama mir nichts gesagt?“
„Vielleicht wollte sie, dass du die Zeit, die du noch hast auch genießt. Schau, ich hätte an den Folgen meiner Krankheit auch noch sterben können, aber allein dadurch, dass ich leben wollte, lebe ich heute noch. Ich denke, wenn du dein Leben noch in vollen Zügen genießt und auch leben willst, dann bleiben dir sicher noch viele Jahre, oder was meinst du?“, fragte ich ihn. Er schaute mich mit seinem verweintem Gesicht an und fragte: „Wirklich?“ – „Jaa, ganz wirklich. Du brauchst keine Angst zu haben, solange du dein Leben mit Freude genießt.“
Ich sah ein freudiges Lächeln in seinem nassen Gesicht. Ich nahm mein Halstuch ab und trocknete ihm damit die Tränen weg.
„Heißt das, dass ich also doch noch groß werden kann?“, wollte er mit einem Hauch von Begeisterung in der Stimme von mir wissen.
„Wenn du es willst…“
Wieder mit neuem Lebensmut hüpfte er zu seinem Platz zurück, packte die letzten Bücher in seine Tasche, verabschiedete sich und machte sich auf den Heimweg. „Schönes Wochenende!“, hörte ich ihn noch rufen. Nachdenklich schaute ich ihm nach.
Als ich abends nach Hause kam wartete auch schon mein Freund auf mich.
„Hi Jana. Wie war dein Tag?“, begrüßte er mich.
„Es war sehr schön. Hallo Sven.“ Ich küsste ihn.
„Aber ich muss jetzt die Mathetests durchsehen. Ich bin vor sechs Uhr sicher nicht fertig. Kochst du heute, bitte?“
„Ist was passiert? Du wirkst so angespannt. Trink erst mal einen Kaffee mit mir!“, wollte er. Mit einem Seufzer setzte ich mich zu ihm an den Tisch und erzählte ihm was in der Schule mit Timmy war.
Nachdem ich geendet hatte, antwortete er vorerst nur mit einem nachdenklichen „Oh.“. Doch nach einem kurzen stillen Moment sagte er: „Ich hätte nicht gedacht, dass so was schlimmes hinter seinem Schweigen steckt… Ich hätte mehr mit einer Scheidung der Eltern oder so gerechnet…“
„Das kommt noch dazu“, ergänzte ich. „Oh Mann. Der Kleine hat’s echt nicht leicht, oder?“, seufzte er. Ich schüttelte den Kopf. „Ich würde so gerne etwas tun, aber ich kann nicht, den Krebs kann ich ihm nicht nehmen. Nicht mal die Angst!“, weinte ich. „Aber du hast schon was getan! Du hast ihm zwar nicht die Angst genommen, aber dafür hast du ihm Mut gegeben. Was du tun kannst ist ihm eine schöne Grundschulzeit bereiten. Du hast ja noch etwa dreieinhalb Jahre mit ihm. Du wirst sehen, er wird sich sicher noch zu einer starken Persönlichkeit entwickeln, du bist doch auch stark!“, beschwichtigte er mich.
Ich schenkte ihm noch ein schwaches Lächeln und ging mit meinen Unterlagen in mein Arbeitszimmer. Doch zum Durcharbeiten der Tests kam ich aufgrund meiner Gedanken an Timmy nicht.
Auch am folgenden Wochenende konnte ich mich einfach nicht konzentrieren.
Diese Nachdenklichkeit hielt sich selbst bis zum darauf folgenden Montag, als Timmy mich wieder ansprach: „Ich habe am Wochenende meiner Mama erzählt, was Sie gesagt haben und Mama hat gesagt, dass der Doktor einen Fehler gemacht hat, und ich gar keinen Krebs im Bauch habe. Ich habe an dem Tag nur solche Bauchschmerzen gehabt, weil ich was Falsches gegessen habe.“
Er strahlte mich freudig an und setzte sich ohne eine Antwort zu erwarten zu den anderen Kindern und spielte mit ihnen. Stark erleichtert sah ich zu, wie die Kinder Timmy ohne zu zögern aufnahmen.
Nach dem Unterricht bekam ich einen Anruf von Timmys Mutter.
„Hallo Frau Winter, ich wollte Ihnen danken, dass Sie meinem Jungen wieder Mut gemacht haben.“
„Hallo Frau Gärtner, freut mich helfen gekonnt zu haben. Ich bin ja so erleichtert, dass sich das Missverständnis geklärt hat“, antwortete ich.
„Oh ja. Ich hätte nicht gedacht, dass er sich wegen so etwas Sorgen macht. Ich war total erschrocken, als er mir erzählt hat, dass er keine Angst mehr vor seiner Krankheit habe. Da hat er mir auch gebeichtet, dass er beim Arzt gelauscht hat“, erzählte die junge Frau.
„Mir ging es am Freitag und das gesamte Wochenende auch nicht anders. Ich habe mir wirklich das gesamte Wochenende den kopf zerbrochen, wie ich ihm helfen könnte. Ich war mehr als überrascht, dass als er mich fragte, wie ich meinen Krebs überlebt habe.“
Ich erzählte ihr von dem gesamten Gespräch zwischen Timmy und mir und war erleichtert, dass sich nun auch das Problem mit meinem Sorgenkind gelegt hatte.

Als ich Timmys Mutter beim Elternsprechtag das erste Mal traf, traf mich der Schlag: Ich stellte fest, dass es sich bei der freundlich jungen Frau um meine alte Schulfreundin Saskia handelte. Ich war absolut perplex.
„Ich hatte schon so eine Ahnung, dass du es bist! Dein Nachnahme und deine Vergangenheit kamen mir extrem bekannt vor!“, sagte Saskia Gärtner, die früher noch Kaspars hieß. Sie war fast genauso überrascht wie ich. „Aber ich habe mich gar nicht getraut zu fragen!“
„Ich hatte überhaupt keine Ahnung! Ich hatte ja auch keinen Anhaltspunkt. Och Saskia!“, lachte ich. Wir tauschten noch unsere Nummern aus und trafen uns in den folgenden Jahren noch sehr oft. Auch Timmy freute sich, mich auch außerhalb der Schule sehen zu können, denn er und ich standen uns außergewöhnlich nah.
Doch als Timmy schon lange auf die Realschule ging, erzählte mir meine neu gewonnene Freundin, dass dieser schließlich fröhliche Junge im Alter von jungen 14 Jahren nun doch an einem Magentumor im Krankenhaus starb.
Sein Tod ging mir so nah, dass ich mich für eine kurze Weile beurlauben lassen musste und auch Saskia für eine Weile bei mir wohnen ließ. Wir trösteten uns gegenseitig.
Aber darüber, warum sie mich angelogen hatte, sprachen wir nicht.
Es war mir sowieso klar.
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